Zwillingspärchen

Geburtsbericht Zwillinge Kaiserschnitt – Wenn aus dem Wunsch einer natürlichen Geburt ein Kaiserschnitt wird

Manchmal nimmt man sich etwas vor. Doch leider bleibt es unerfüllt. So war es bei Charlie. Charlie wünschte sich eine natürliche Geburt ihres Zwillingspärchens. Es kam jedoch anders, nämlich zu einem Kaiserschnitt. Lies hier ihre berührende Geschichte: Wenn aus dem Wunsch einer natürlichen Geburt ein Kaiserschnitt wird – Geburtsbericht Zwillinge Kaiserschnitt.

Eine Schwangerschaft ohne Komplikationen – Geburtsbericht Zwillinge Kaiserschnitt

Meine Schwangerschaft verlief reibungslos. Schon beim ersten Frauenarzttermin wusste ich, es werden Zwillinge. Nach dem ersten Schock war das eine wahre Freude. Und wenn du auch mit Zwillingen schwanger bist oder warst, weißt du, ab jetzt bist du ein Exot. Man bekommt die verrücktesten Fragen gestellt bis hin zu der Frage: Möchtest du natürlich entbinden? Geht das bei Zwillingen überhaupt? Ja, das geht. Und ja, ich wollte natürlich entbinden, auch wenn ich Respekt und bisweilen sogar ein bisschen Panik davor hatte.

Zwillingsschwangere 25. SSW
Charlie in der 25. SSW

Ich hatte die 28. SSW geschafft – Geburtsbericht Zwillinge Kaiserschnitt

Nachdem ich die 28. SSW (Schwangerschaftswoche) erreicht hatte, war ich glücklich. Denn auch den Spruch: Zwillinge kommen immer als Frühchen auf die Welt, hatte ich bereits mehrfach gehört. Ich hatte sowohl die kritische Phase, als auch die 28. SSW geschafft. Während der kompletten Schwangerschaft war ich das sprühende Leben. Ich war fit, hatte nicht mit Übelkeit oder Fressattacken zu kämpfen und genoss die Zeit.

Ein Baby war viel kleiner als das andere

Jedoch wurde schnell festgestellt, dass das eine Baby ziemlich klein war und auf der untersten Perzentile lag. Also musste ich zusätzlich zu den normalen Untersuchungen zum Spezialisten. In der 33. SSW empfahl man mir bei der Schwangerenberatung im Krankenhaus einen Kaiserschnitt. Sind ja immerhin Zwillinge. Zunächst dachte ich nicht weiter darüber nach. Bis die 34. SSW begann und meine Frauenärztin die ambulante Behandlung beenden wollte.

Meine Tochter war sehr klein und es hatte eine Zentralisierung begonnen. Das bedeutet, die Blutversorgung reduziert sich auf das wichtigste Organ, nämlich das Gehirn. Ihr Zustand war okay, aber eben nicht prima. Also wurde ich im Krankenhaus stationär aufgenommen. Und hier beginnt meine Geschichte mit meinen Zwergen.

Die werdenden Zwillingseltern bei einem Fotoshooting.
Die werdenden Zwillingseltern

Aufnahme ins Krankenhaus in der 34. SSW – Geburtsbericht Zwillinge Kaiserschnitt

An einem Montag wurde ich aufgenommen und von einer Assistenzärztin untersucht. Erneut fiel das Wort Kaiserschnitt. So langsam fing ich an, dem Gedanken mehr Raum zu geben. Die natürliche Entbindung gab ich jedoch nicht auf. Am nächsten Morgen sollte sich der Chefarzt die Babys anschauen. Dann kann ich immer noch Panik schieben, sagte ich mir.

Dienstag morgen: ab zum Ultraschall und CTG. Mein Mann war bereits dazugestoßen. Der Chefarzt, ein freundlicher und kompetenter Mann mittleren Alters, untersuchte mich. Dann sagte er: Wir sollten sie lieber heute als morgen holen. Er beteuerte mir, wie super er es findet, dass ich natürlich entbinden möchte. Selbstverständlich würde ich dabei unterstützt werden, wenn ich es durchziehen möchte. Doch aus drei Gründen könne er mir beim besten Willen eine natürliche Geburt nicht empfehlen:

  1. Die beginnende Zentralisierung bei meiner Tochter.
  2. Der ziemlich große Größenunterschied der beiden Babys.
  3. Zu guter Letzt hatte es sich mein Sohn über Nacht in Steißlage bequem gemacht.

Er bat mich darum, mir schnell Gedanken über einen Kaiserschnitt zu machen. Ich hätte so lange Zeit,wie das CTG geschrieben werde.

Charlies Zwillinge im Krankenhaus
Charlies Zwillinge im Krankenhaus

Kaiserschnitt oder Spontangeburt – Ich musste mich entscheiden

Wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, bekam ich nun die volle Dröhnung Hormon-Cocktail ab. Ich war völlig durch den Wind. Das lief nicht so, wie ich es mir ausgemalt hatte. Absolut nicht! Auf der anderen Seite wollte ich den Zwergen natürlich auf gar keinen Fall schaden. So kamen wir zu dem Entschluss, dass es wohl oder übel tatsächlich zu einem geplanten Kaiserschnitt kommen wird. Ein Notkaiserschnitt oder eine Gefährdung der kleinen Maus, wollte ich nicht in Betracht ziehen. Nach dem CTG wollte der Arzt wissen, wie es weitergehen solle. Als wir ihm die Entscheidung eröffneten, ging der Marathon los.

Kaiserschnitt – zweieinhalb Stunden später sollte es soweit sein

Meine OP wurde für zweieinhalb Stunden später angesetzt. Die Hormone brodelten. Das ging zu schnell. Ich musste zur Narkose-Aufklärung. Mehr Hormone und vereinzelte Tränen bei mir. Wieder auf Station sollte ich schnell mein Zimmer räumen. Ich wollte noch schnell duschen und musste, nebenbei bemerkt mit riesigem Bauch, in kürzester Zeit alles Mögliche an Kram zusammenräumen. Da lag der OP-Kittel bereit. Hormone, Hormone, Hormone, ich war voller Adrenalin und bekam Angst.

"Ich war voller Hormone und bekam Angst."

Dann wurde ich schon mit dem Bett in den Kreißsaal geschoben. Mein Mann war schnell nach Hause gefahren, um die Kamera zu holen. Aber irgendwie ging alles schneller als gedacht. Ich fühlte mich alleine und dezent panisch. Der Zugang wurde gelegt. Mein Mann kam hinzu und ich war kurz erleichtert. Jetzt weinte ich nur noch. Meine Gefühle hatten mich total überwältigt. Ich war einfach überfahren worden.

Charlie mit ihren Zwillingen
Charlie & ihr Zwillingspärchen

Die Zwillinge kommen auf die Welt – Geburtsbericht Zwillinge Kaiserschnitt

Es ging in den Operationssaal. Die Ärzte und Schwestern waren wundervoll und versuchten mir meine Angst zu nehmen. Denn auf meinen Mann sollte ich erst einmal verzichten müssen. Er durfte später dazustoßen sobald ich für den Kaiserschnitt vorbereitet war. Nach einem kurzen Pieks wurden meine Beine schwer. Ich spürte meinen Unterkörper nicht mehr. Dann endlich nach einer gefühlten Ewigkeit kam mein Mann hinzu. Ich war bereits aufgeschnitten, klingt jetzt makaberer, als es war.

Keine Minute später war schon ein Schreien zu hören. Alle Panik wurde schlagartig zur Aufregung. Ich wollte sie sehen. Wo ist meine Tochter? Der Zweite quakte nach ein paar Startschwierigkeiten hinterher. Beide wurden mir kurz ans Gesicht gehalten, bevor sie ins Warme gebracht wurden. Meinen Mann schickte ich mit. Mir wurde schlecht von der Narkose. Mein Kreislauf machte so langsam schlapp. Ich begann zu zittern. Dann ging es auch schon in den Aufwachraum. Der Kaiserschnitt hatte wohl alles in allem im OP knapp zwei Stunden gedauert.

Zwillingsbaby mit Mamas Däumchen in der Hand.
Kleiner süßer Schatz

Endlich konnte ich meine Zwillinge in die Arme schließen

Im Aufwachraum wurden mir endlich meine Babys gebracht. Wir waren eine Familie. Es waren nun Tränen der Freude. Leider wurde die Freude nach wenigen Stunden wieder getrübt. Durch den Kaiserschnitt war ich körperlich eingeschränkt und hatte Schwierigkeiten, mich über das hohe Wärmebett der Zwerge zu beugen, um ihnen die Flasche zu geben. Meine Milch war noch nicht eingeschossen. Also halfen mir die Schwestern auf der Station. Sie holten meine Zwillinge, wenn sie hungrig waren zum Füttern, während ich die Milchpumpe betätigte, um die Sache in Schwung zu bringen.

Es lag nur ein Baby im Wärmebett

Um 4:00 Uhr war ich bereits wieder am Eindösen, als die Schwestern mit dem Wärmebett kamen. Nur war anstatt zwei Kindern nur noch eins darin. Ich war mit einem Schlag hellwach: Wo ist mein Sohn? Auf der Intensivstation, wurde mir geantwortet. WAS, hatte ich richtig gehört? Die Gedanken überstürzten sich und ich merkte, wie die emotionale Achterbahnfahrt wieder losging. Er hatte sich bei der Geburt scheinbar einen Infekt eingefangen und Schwierigkeiten zu atmen. Am Morgen würde der Kinderarzt kommen und mir alles erklären. Damit war die Nacht fürs Erste gelaufen. Nachdem der Arzt mir morgens alles erklärt hatte, wurde mir dann klar gemacht, dass es weit weniger dramatisch war, als es sich anhörte. Auch wenn es bei Gott nicht schön wäre, das eigene Kind an Kabeln und Schläuchen angeschlossen zu sehen.

Zwillingsbaby im Wärmebettchen

Zwillinge – Ich musste mich aufteilen

Ich lernte schnell, was es bedeutet, seine Liebe zwischen mehreren Kindern aufteilen zu müssen. Ich wollte sowohl bei meinem Sohn auf der Intensivstation sein, als auch bei meiner Tochter in meinem Zimmer. So begann ein Hin und Her zwischen den Stationen. Anfangs noch angewiesen auf jemanden, der mich mit dem Rollstuhl durch die Gegend fuhr, später meinen Bauch festhaltend im Schneckentempo. Zum Glück heilte meine Narbe schnell und ich wurde zunehmend selbstständiger.

Nach sechs Tagen wurden beide Babys auf die Päppelstation (Neonatologie Station) verlegt. Ich wurde entlassen, konnte mich aber als Begleitmutter neu aufnehmen lassen. Das Gleiche tat mein Mann, sodass wir das erste Mal als Familie zusammen waren. Nach weiteren vier Tagen wurden wir dann endlich entlassen.

Zwei Monate altes Zwillingspärchen.
Die zwölf Wochen alten Zwillinge.

Heute sind die Zwerge fast drei Monate alt. Ich kann mein Glück immer noch kaum fassen. Zwillinge sind etwas so Wundervolles und Besonderes. Selbstverständlich ist es unfassbar anstrengend und ich bin viele Male schon an meine Grenzen gestoßen und werde das erneut tun. Nicht immer finde ich meine Rolle als Mama toll. Aber sobald die Zwerge lächeln und friedlich in meinem Arm kuscheln, ist alle Mühe und Frustration vergessen. Ich freue mich so sehr auf alles, was noch kommt.


Die Zwillinge, der lieben Charlie, entwickeln sich prächtig und halten ihre Eltern mächtig auf Trab. Danke, liebe Charlie, dass du als frischgebackene Zwillingsmama die Zeit gefunden hast, deinen Geburtsbericht aufzuschreiben.

Möchtest auch du über die Geburt deiner Zwillinge berichten? Dann schreib mir einfach. Hinterlasse einen Kommentar, wenn du ähnliche Erfahrungen gemacht hast.

Lies hier gleich den nächsten Geburtsbericht: Geburt Zwillinge früher Wenn in der 25. SSW der Gebärmutterhals verkürzt ist

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