Zwillinge Geburt früher - Wenn es in der 25. SSW losgeht

Zwillinge Geburt früher – wenn in der 25. SSW der Gebärmutterhals verkürzt ist

Wie wichtig eine gynäkologische Routineuntersuchung ist, zeigte sich bei der werdenden Zwillingsmama Verena. Ihr Gebärmutterhals war bereits in der 25. Schwangerschaftswoche verkürzt. Verena musste sofort ins Krankenhaus. Von nun an hieß es Bettruhe. Lies hier Verenas berührenden Geburtsbericht: Zwillinge Geburt früher – wenn in der 25. SSW der Gebärmutterhals verkürzt ist.

21. Februar 2018 – Hm, oh ja, wollen Sie selbst sehen? Das waren die Worte meiner Frauenärztin. Mein Mann stand hinter mir und hielt meine Hand. Ich starrte nur an die Decke. Angst! Angst, es könnte wieder nicht gut gehen, wie im Jahr zuvor. Damals hoffte ich über drei Wochen und am Ende musste ich ins Krankenhaus: Ausschabung. Doch heute, heute sollte alles gut gehen und das gleich im Doppelpack. Was für ein Segen. Ich war bereits in der zehnten Woche schwanger. Meine Frauenärztin drehte mir den Monitor zu und zeigte uns zwei kleine Gummibärchen mit schlagenden Herzen. Wir konnten unser Glück kaum fassen.

Die Wochen darauf waren geprägt von Zweifeln und Ängsten, ob wir das mit Zwillingen alles schaffen werden und die Schwangerschaft gut verlaufen würde. Mein Mann renovierte das Kinderzimmer und wir kauften einen Kinderwagen. So verging die Zeit.

Verena in der 22. Schwangerschaftswoche

Plötzlich war mein Gebärmutterhals verkürzt – Zwillinge Geburt früher

25. SSW, 12. Juni 2018 – Vormittags hatte ich einen Termin bei meiner Frauenärztin. Das erste Mal ohne meinen Mann. Er war auf Geschäftsreise im über 600 Kilometer entfernten Berlin. Meine Frauenärztin führte die Routineuntersuchungen durch. Als sie meinen Gebärmutterhals mit dem Ultraschall schallte, stellte sie fest: Er war bereits auf 1,4 cm verkürzt. Auch beim CTG (Wehenschreiber) zeigte sich eine Wehentätigkeit. Sie überwies mich gleich ins Krankenhaus. Panik brach in mir aus und ich weinte. Meinen Mann konnte ich telefonisch nicht erreichen. Da er nicht da war, begleitete mich meine beste Freundin ins Krankenhaus.

Im Krankenhaus bekam ich Wehenhemmer und die Lungenreifespritze – Zwillinge Geburt früher

Im Krankenhaus angekommen fertigte nach kurzer Zeit eine Hebamme ein CTG und einen Ultraschall an. Diesmal wurden bloß 0,7 cm gemessen und dazu eine Trichterbildung des Gebärmutterhalses. Nach den Untersuchungen klärte mich ein Arzt über die Lungenreifespritze auf und verordnete mir Bettruhe.

Ich hatte zuvor noch nie etwas über die Lungenreifespritze gehört. Die Panik stieg wieder hoch. Doch der Arzt beruhigte mich und ich kam in ein gemütlich eingerichtetes Zimmer zum Entspannen. Kurz darauf erhielt ich den ersten Wehenhemmer-Tropf und die erste Lungenreifespritze. Ab jetzt sollte der Infusionswagen mit dem Wehenhemmer-Tropf mein täglicher Begleiter sein. Dazu die „hübschen“ weißen Thrombose-Strümpfe.

Ich dachte, von Woche zu Woche.

Am nächsten Morgen, gegen 7 Uhr, konnte mein Mann endlich zu mir. Auch er war völlig geschockt von der Nachricht. Da alle Flüge von Berlin nach Bonn ausgebucht waren, fuhr er kurzerhand mit dem Auto. Mein Mann traf mitten in der Nacht ein. Wegen der Nachtruhe durfte er nicht früher zu mir.

Nachmittags besuchte mich der Neonatologe (Arzt, der sich um Frühgeborene kümmert) und erklärte mir, was alles mit den Zwillingen passieren kann. Wie hoch unsere Chancen sind. Der Arzt machte mir Mut und bestärkte mich darin von Woche zu Woche zu denken. Das tat ich von da an. Danach erhielt ich die zweite Lungenreifespritze.

Tägliche Routine CTG-Untersuchung

Am zweiten Tag im Krankenhaus wurde ich auf eine andere Station verlegt und bekam ein Einzelzimmer. Schließlich sollte ich noch lange im Krankenhaus bleiben. Die Station war sehr alt und es gab leider keine Toiletten und Duschen auf dem Zimmer. Ein Fluch und gleichzeitig ein Segen. Da ich ja im Bett bleiben sollte, war dies meine einzige Möglichkeit ein paar Schritte am Tag und in der Nacht zu gehen.

Krankenhausalltag, jeder Tag war gleich – Zwillinge Geburt früher

Und so begann er, mein Sommer 2018. Jeder Tag war gleich. 7 Uhr wecken, Temperatur- und Blutdruckmessung sowie die Frage: Hatten Sie Wehen? Ab 8 Uhr Frühstück im Bett. Visite. Danach CTG schreiben und eventuell eine Blutentnahme. Mittagessen um 12 Uhr. Gegen 14 Uhr erneut Blutdruck- und Temperaturmessung. Am Nachmittag das zweite CTG und ab 17 Uhr Abendessen.

Ein Versuch den Wehentropf wegzulassen scheiterte

Wir warteten auf das nächste Ziel. Die Lungenreife war abgehakt. Nach vier Tagen versuchten wir, den Wehentropf wegzulassen. Doch leider reagierte mein Körper nach wenigen Stunden mit Wehen. Also kam ich wieder an den Tropf. Die Tage zogen sich. Duschen war nur mit betteln und einem großen Aufwand möglich. Der Tropf musste abgeklemmt werden und die Thrombosestrümpfe aufwendig an- und ausgezogen werden.

Nach einer Woche am Tropf wurde ich auf Tabletten umgestellt. Leider durfte ich das Krankenhaus nicht verlassen, da ich die Tabletten nur unter ärztlicher Aufsicht einnehmen durfte. Dazu immer wieder die Sorge, wir sind ja noch in so einer frühen Woche. Die Ärzte bauten mich immer wieder auf. Sie machten mir Hoffnung, nach Hause gehen zu können, sobald ich die 30. Schwangerschaftswoche erreiche.

Verena & ihre angefreundeten Mitpatientinnen

Es war für mich ein Auf und Ab. Jeden Tag ein CTG. Trotz der Tabletten konnte man eine leichte Wehentätigkeit sehen. Nach gut zwei Wochen durfte ich endlich zum CTG in den Kreißsaal laufen. Ein nächster Fortschritt. Den Gang bis zum Aufzug und wieder zurücklaufen.

In der langen Zeit im Krankenhaus lernte ich zwei schwangere Frauen kennen und wir freundeten uns an. Dadurch war die Zeit für mich einigermaßen erträglich. Auch die Besuche meiner Familie machten es mir leichter. Nicht zuletzt die Fürsorge meines Mannes. Eine ganz besondere Überraschung war für mich die Babyparty, die meine Schwägerin für mich im Krankenhaus organisierte.

Endlich hatte ich die 30. SSW erreicht – Zwillinge Geburt früher

Dann war sie endlich da die 30+0 Schwangerschaftswoche. Ich hätte Luftsprünge machen können. Mein Bauch, der inzwischen einen Medizinball überholt hatte, und die Rückenschmerzen machten dies leider unmöglich. Nun wartete ich jeden Tag darauf, nach Hause gehen zu dürfen. Doch daraus wurde nichts. Im Juli wurden meine Beine plötzlich immer dicker. Es war extrem heiß draußen. Wassereinlagerungen mussten ja irgendwann kommen. Ich ging nur den Gang zum Frühstücksraum, da waren meine Beine schon wieder so dick, dass ich sie hochlegen musste.
Freiwillig fragte ich nach den Kompressionsstrümpfen in der Hoffnung, es würde besser werden. Doch das wurde es nicht.

Mir ging es immer schlechter –Schwangerschaftsvergiftung

Von da an bemerkte ich langsam, es ging mir nicht mehr so gut. Vieles schob ich auf die Hitze. Die immer wieder dicker werdenden Beine, die Müdigkeit. Als der Termin der Feindiagnostik anstand, schallte die Frauenärztin beide Babys erneut. Soweit war alles wie immer, ziemlich viel Fruchtwasser bei Yannis. Leider konnte sie Linus Nabelschnur nicht richtig erfassen. Leicht versuchte ich ihn dazu sich zu bewegen. Doch alle Versuche, dass er sich drehte, blieben erfolglos. Wir verabredeten einen weiteren Ultraschalltermin zwei Tage später. Bis dahin sollte ich meinen Urin sammeln. Nun stand der Verdacht auf eine Schwangerschaftsvergiftung im Raum. Zurück auf meinem Zimmer ging das Kopfkino los. Leichte Verzweiflung stieg in mir auf. Was passiert nun? Nach Hause gehen war nicht möglich.

Bis zum nächsten Tag sammelte ich fleißig meinen Urin. Regelmäßig wurde mein Blutdruck gemessen. Am Tag des vereinbarten Ultraschalls wurde ich nachmittags erneut zu einem CTG gerufen. Kurz darauf wurde der Ultraschall gemacht. Leider konnte die Nabelschnur von Linus wieder nicht beschallt werden. Beim Gespräch mit der Oberärztin bestätigte sie, dass ich eine Schwangerschaftsvergiftung entwickelte. Nach Beratschlagung mit ihren Kollegen wurde entschlossen, die Zwillinge schon am nächsten Morgen zu holen. Die Ärztin wollte unbedingt vermeiden, dass die Kinder notfallmäßig am Wochenende kommen.

Es war soweit der Kaiserschnitt stand an

Ab da lief alles wie im Film. Um 17 Uhr hatten wir das Aufklärungsgespräch zum Kaiserschnitt. Danach sollte eigentlich noch ein Narkosearzt zur Aufklärung kommen und eine Kinderärztin von der Neonatologie. Mein Mann fuhr gegen 19 Uhr nach Hause. Er musste noch ein paar Sachen klären und wollte am nächsten Morgen ausgeschlafen sein. Der Kaiserschnitt war für 8 Uhr am nächsten Tag geplant. Ich ging ein letztes Mal in Ruhe duschen und war tatsächlich ziemlich entspannt. In meinem Kopf wechselten die Gedanken von Freude und der Frage: Warum jetzt schon?

Die Aufregung brachte Bewegung ins Spiel. Mein Bauch wurde erneut hart und zog. Ich gab den Schwestern Bescheid und ich bekam ein CTG, welches unauffällig war. Während ich dort lag, kamen endlich die Narkoseärztin und die Neonatologin und ich wurde über den morgigen Tag aufgeklärt. Erstaunlicherweise schlief ich in dieser Nacht sehr gut. Um 6 Uhr in der Frühe weckte mich die Nachtschwester für den Einlauf.

Kaiserschnitt: Yannis & Linus werden geholt

Danach war ich tatsächlich noch relativ entspannt. Mein Mann kam gegen 7.00 Uhr und um 7.30 ging es schon nach unten in den Kreißsaal zum letzten CTG. Ein Zugang wurde mir gelegt und ich bekam eine kleine Intimrasur. Als es in den Kreißsaal ging, stieg meine Nervosität langsam an. Die Hebamme beruhigte mich, erklärte mir alles erneut. Das Operationsteam kam nach und nach hinzu. Alle waren gut gelaunt. Es war Freitag morgen. Während des Kaiserschnitts unterhielten wir uns über Urlaub. Das lenkte mich gut ab. Und dann war endlich der Moment gekommen: Um 8:35 kam Linus auf die Welt. Mein kleiner Schatz wurde über den Vorhang gehoben und mir gezeigt. Ein verschmiertes, kleines Gesicht mit dünnen Armen und dunklen Haaren. Leider war er noch so klein. Er wog gerade mal 1.615 kg und war 41 cm groß. Linus wurde sofort nach nebenan zu den Kinderärzten gebracht. Ich hörte ihn schreien.

Schnell ging es weiter, die Ärztin sagte nur: Es tue kurz weh. Yannis musste ein Stück runter gedrückt werden. Dabei wurde mir kurz anders. Doch der Anästhesist lenkte mich schnell ab. Um 8.36 Uhr kam Yannis auf die Welt. Ein kleiner verschmierter Kopf schaute über den Vorhang zu mir. Ich war so glücklich. Auch er war sehr klein bei 1.620 kg und 44 cm. So ging es für ihn auch direkt zu den Kinderärzten.

Meine Zwillinge mussten direkt in den Inkubator – Zwillinge Geburt früher

Mein Mann durfte einen kurzen Blick auf beide Babys werfen, dann nahmen sie die Kinderärzte mit. In der Zwischenzeit wurde mein Bauch verschlossen. Das Ganze ging wirklich schnell und ich wurde aus dem Operationssaal gefahren. In dem Moment stand draußen eine der Intensivschwestern und legte Linus in den Inkubator. Von ganz Nahem konnte ich meinen Linus betrachten. Ich war so unfassbar stolz.

Für eine Stunde ging es für mich in den Aufwachraum zur Beobachtung. Schmerzmittel liefen durch den Tropf. Mein Mann blieb bei mir. Danach wurde ich wieder auf mein Zimmer gebracht. Irgendwann schlief ich ein. Die Schmerzmittel machten müde. Dazu fast 40 Grad draußen. Später würde ich meine Zwillinge sehen. Ich konnte es kaum erwarten.

Das war einer der schlimmsten Momente für mich: Nicht zu meinen Babys zu können.

Gefühlsachterbahn nach der Geburt

Währenddessen pendelte mein Mann von meinem Zimmer zu den Zwillingen und wieder zurück. Meine Jungs, sie lagen jeder für sich in einem Inkubator und hatten die sogenannte CPAP-Beatmung (englisch: continuous positive airway pressure) auf. Es ging ihnen soweit gut. Die Atemmaske trugen sie nur zur Unterstützung, nicht für die Beatmung.

Mein Mann machte Fotos mit dem Handy und zeigte sie mir: diese Minimenschlein. Die kleinsten Windeln so groß, dass sie fast bis unter die Arme reichten. Dazu die Schläuche, die Kabel, es sah alles so erschreckend aus. Und ich, ich konnte nicht zu ihnen. Aber ich bin doch ihre Mutter. Ich muss doch zu meinen Babys. Meine Gedanken rasten. Doch es ging einfach nicht. Die heißen Temperaturen und der Kaiserschnitt machten meinem Kreislauf zu schaffen. Dazu musste die Schwester gefühlt alle zwei Stunden meinen Katheter leeren. Die Wassereinlagerungen verschwanden rasch. Ich war zu schwach, hatte starke Kreislaufprobleme und mir war so übel. Die Schwestern ließen mich nicht aus dem Bett. Ich konnte mich nicht einmal aufsetzen. Das war einer der schlimmsten Momente für mich, nicht zu meinen Babys zu können. Es sollte erst am nächsten Tag möglich sein.

1 Tag nach der Geburt: Endlich durfte ich zu meinen Zwillingen

Am Morgen nach der Geburt halfen mir die Schwestern nach dem Frühstück aus dem Bett. Den Katheter musste ich wegen der Wassereinlagerungen behalten. Hölle, waren das Schmerzen im Unterbauch. Egal, ich musste endlich meine Babys sehen. Voller Vorfreude ihnen ganz nahe zu sein, fuhr mein Mann mich im Rollstuhl auf die Intensivstation.

Zwillinge Linus & Yannis heute

Aktuell die einzigen Zwillinge auf der Station hatten sie ein Einzelzimmer. Hier konnten wir ganz für uns sein. Schon beim Reinfahren überkamen mich die Emotionen. Auch jetzt beim Schreiben kommen mir die Tränen beim Gedanken an diesen Moment. Da standen zwei große Kästen mit Kabeln, Schläuchen und piepsenden Monitoren. Die Kästen waren blau erleuchtet, da meine Babys eine Gelbsucht entwickelten. „Legen Sie bitte nur eine Hand auf den Rücken. Nicht streicheln und am besten auch sonst nichts tun.“ Das war die Ansage der Krankenschwester. Ich war total überfordert, wusste gar nicht wohin mit mir. Welches Kind zuerst? Warum darf ich sie nicht halten? An viel mehr kann ich mich tatsächlich nicht mehr erinnern. Lange waren wir auch nicht da. Ich glaube vielleicht eine halbe Stunde.

Zurück auf dem Zimmer brach ich in Tränen aus. Die ganze Situation war so furchtbar. Doch ich wollte für meine Zwillinge stark sein und das war ich in den nächsten Wochen auch.


Die nächsten fünf Wochen sollten für Verena zu den bisher schwierigsten in ihrem Leben gehören. Die Zeit als Frühchenmama war sehr kräftezehrend und belastend. Über Verenas Zeit als Frühchenmama berichte ich euch in einem neuen Beitrag. Heute sind die Zwillinge Linus und Yannis zwei Wonneproppen, die sich bester Gesundheit erfreuen. Danke liebe Verena, für deinen emotionalen und ehrlichen Geburtsbericht: Zwillinge Geburt früher – wenn in der 25. SSW der Gebärmutterhals verkürzt ist.

Wie sind deine Geburtserfahrungen mit Zwillingen? Hast du Ähnliches erlebt wie Verena? Ich freue mich über einen Kommentar. Teile Zwillinge2go damit noch mehr Zwillingseltern davon erfahren!

Hier kannst du den nächsten Geburtsbericht von Zwillingen lesen: Zwillingsgeburt Erfahrung Kaiserschnitt – Wenn es zu früh losgeht